Der Name Wenholthausen , früher Wineholthusen, bezeichnet eine Siedlung in holzreicher Gegend an der Wenne. Das Dorf ist eines der ältesten des Sauerlandes; es ist um das Jahr 800 entstanden. Einer alten Überlieferung zufolge bestand vor der jetzigen Steinkirche schon eine Kirche aus Holz, die unter Karl dem Großen gebaut sein soll. Das Dorf bildete mit seiner Umgebung eine eigene Freigrafschaft. Es ist nichts mehr darüber bekannt, wo der Freistuhl gestanden hat. Man kann nur vermuten, dass er auf dem Eibel stand, wo sich jetzt eine mächtige Linde erhebt, oder in der Mathmecke, an der Stelle, wo jetzt die alte Hubertuskapelle steht.

Politisch gehörte die Freigrafschaft Wineholthusen zum alten Fredeburger Lande. Jedoch treten die Grundbesitzverhältnisse, insbesondere die Entwicklung vor 1300, nicht klar zu Tage. Da sich im ganzen Sauerlande die Kölner Erzbischöfe als Landesherren durchzusetzen wussten, war auch die Freigrafschaft Wineholthusen ursprünglich ein Lehen des Erzbischofs von Köln, das dieser an die Grafen von Ardey ausgegeben hatte. Im Jahre 1288 wird Wenholthausen zum erstenmal urkundlich genannt. Damals verkaufte der Edelherr von Ardey einen Bauernhof in Wenholthausen an den Priester Gerhard in Wixlon. Dieser schenkte ihn wieder dem Kloster Rumbeck. Unter den in der Urkunde angeführten Zeugen wird auch Godefridus, Pastor in Wenholthausen, genannt. Der anfänglich große Besitz der Grafen von Ardey wurde durch Verkäufe ständig verkleinert. Am 22. Februar 1300 verkaufte Graf Wilhelm I. von Ardey dem Grafen Ludwig von Arnsberg das Dorf Wenholthausen mit seiner Freigrafschaft, das Patronat der Kirche daselbst mit allen zu der Kurie gehörenden Leuten. Im Jahre 1368 ging die Grafschaft Arnsberg und damit auch Wenholthausen in den Besitz des Kurfürsten von Köln über. 1802 kam Wenholthausen an Hessen, 1815 an Preußen.

Zur Pfarrei Wenholthausen gehörte früher auch das benachbarte Grevenstein. Die Glocke, welche die Bewohner von Grevenstein zum Gottesdienst in die Pfarrkirche von Wenholthausen rief, soll damals in den Mathmecker Bergen – auf dem Glockenhagen – gehangen haben. Im Jahre 1327 erbaute Graf Wilhelm von Arnsberg in Grevenstein eine Kapelle. Es wurde bestimmt, solange Heinrich, der zeitige Pfarrer von Wenholthausen, lebe, solle jedes Haus in Grevenstein ihm jährlich am Feste der hl. Walburgis und des hl. Martin je einen Schilling zu Messkorn und als Pfarrgebühr zahlen, und jeder Hausvater sowie jede Hausmutter sollten zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die Kinder aber und das Gesinde nach Belieben opfern. Im Jahre 1364 bewirkte Graf Gottfried IV., dass Grevenstein aus dem bisherigen Filialverhältnisse zur Pfarrei Wenholthausen gelöst und zu einer eigenen Pfarrei erhoben wurde.


Die Pfarrkirche zur hl. Cäcilia


In Wenholthausen wurde im Anfange des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich in den Jahren 1220 bis 1240, im spätromanischen Stile erbaut. Im Jahre 1669 wurde der Turm der Kirche in einem Bittgesuch der Pfarrei an den Kurfürsten von Köln als baufällig und ruinös bezeichnet. Eine Reparatur des Turmes scheint damals nicht vorgenommen worden zu sein, ebenso nicht im Jahre 1815, als die hessische Regierung eine Aufforderung an die Kirchengemeinde richtete, an der Wiederinstandsetzung mitzuhelfen. Die beiden Glocken wurden aus dem Turme entfernt und in einem nahen Apfelbaume aufgehängt. Im Jahre 1817 wurde der Turm durch Blitzschlag zerstört und zwei Jahre später gang abgebrochen. Ein notdürftiger Fachwerkbau wurde im Jahre 1824 für die Glocken und die Orgel gebaut, bis in dem Jahre 1885 der damalige Pfarrer Schonlau die Kirche nach Westen und Osten erweitern und den jetzigen Turm errichten ließ.

Die Kirche besitzt zwei alte Glocken. Die eine, in der Form ganz missraten, im Ton trotzdem ausgezeichnet, stammt aus dem Jahre 1449 und wurde gegossen von Albertus, einem Glockengießer in Eversberg. (Von dieser Glocke existieren noch 2 Schwesternglocken. Eine hiervon befindet sich in Brenken bei Paderborn und stammt aus dem Jahre 1451. Die zweite, die früher in Oberkirchen hing, befindet sich jetzt im Museum zu Münster. Sie stammt aus dem Jahre 1458). Die andere alte Glocke, die Marienglocke, ist im Jahre 1670 gegossen. Die große Glocke wurde, nachdem ihre Vorgängerin während des Weltkrieges auf dem Altar des Vaterlandes geopfert wurde, im Jahre 1925 erneuert.

Die Schulgemeinde Wenholthausen bestand ursprünglich aus dem Pfarrdorfe Wenholthausen mit der Mathmecke nebst Bauernschaften Österberge, Meßmecke und dem Hause Blessenohl. Über die Zeit der eigentlichen Gründung der Schule liegen keine sicheren Nachrichten vor. Über 60 Jahre wurde in dem im Jahre 1737 erbauten Schul- und Küsterhause, einem Stallgebäude der Unterricht erteilt. Im Jahre 1804 mußte an der Südseite dieses Gebäudes ein größerer Schulsaal angebaut werden, der im Jahre 1833 durch den Neubau der jetzigen „alten Schule“ abgelöst wurde. Die zunehmende Bevölkerung machte im Jahre 1882 die Anstellung einer zweiten Lehrkraft nötig, im Jahre 1906 wurde die dritte Lehrkraft angestellt.

Die Schützenbruderschaft zu Wenholthausen ist die älteste in der ganzen Umgebung. Die Bewohner der benachbarten Ortschaften gehörten ihr als Mitglieder an. Die älteste Medaille an der Königskette stammt aus dem Jahre 1748. In diesem Jahre dürfte die Bruderschaft erneuert worden sein.

Eng verbunden mit den Erdschollen des Sauerländischen Berglandes, hält der Sauerländer fest an alten Bräuchen und Sitten aus Urvätertagen. So lodern am Auferstehungstage des Herrn allerorts die Osterfeuer in den Abendhimmel hinein. Alt und Jung haben durch gemeinsames Schaffen den gewaltigen Holzstoß in wochenlanger Vorbereitung erstehen lassen. So werden hier alljährlich Osterfeuer errichtet. Stolz schauen die Dorfbewohner zu dem gewaltigen, Himmelanstrebenden Osterfeuer, das seiner Bestimmung entgegenharrt, empor. Kaum hat sich der Abend über das stille Bergdorf gesenkt und die Heimathöhen in tiefes Dunkel gehüllt, da wird unter dem Donner von Böllerschüssen das Osterfeuer angezündet. Vom Scheine des Feuers beleuchtet, singen die Dorfbewohner alte Osterweisen zu Ehren des Auferstandenen.

Solange die Heimatberge gegen Himmel ragen, wird dieser Brauch alljährlich von neuem verkünden, dass die sauerländischen Bergbewohner noch überlieferte Väterart und Vätersitte achten.

Im Jahre 1911 wurde Wenholthausen durch den Bau der Eisenbahnlinien Meschede-Finnentrop und Meschede-Fredeburg aufgeschlossen und belebt.

Der Vorteil dieser günstigen Verbindung zeigt sich erst recht in den letzten Jahren, als die Bewohner Wenholthausens dazu übergingen, erholungsbedürftigen Gästen aus dem nahen Industriegebiet wohltätige Ruhe und Erholung zu vermitteln.

Der Kurorte Wenholthausen zählte ca. 1000 Einwohner und liegt abseits aller Industrie 300 Meter über dem Meeresspiegel. Durch die sehr gute Zugverbindung kann man ihn leicht und ohne hohe Reisekosten erreichen. Die einzig schöne Lage inmitten der Wälder am Strande der Wenne sichert jedem Besucher nervenstärkende Erholung. Der rüstige Bergtourist schreitet auf einsamen Waldwegen über zahlreiche Bergeshöhen zum ferngelegenen Ausflugsziel. Waldesschatten und Bergeseinsamkeit lohnen den weiten Marsch. Der geruhsame Beschauer aber findet eben so Schönes in allernächster Nähe. Von seinem Fenster aus sieht er die nahgelegenen Wälder, die das Dorf in einer Höhe bis zu 650 m umsäumen und hört er der Vögel einladenden Ruf. Mitten im Kurort liegt das Eichhölzchen, ein stillverträumter Wald mit einsamen Wegen. Nur der Glockenschlag erinnert an die Nähe der Menschenwohnung.

Viele Jahre hat man von Wenholthausen nichts gewusst, da war es eines von den vielen Dörfern des Sauerlandes. Still verträumt verlebte es seine Tage. Da kamen die Wanderer und priesen des Dorfes besondere Lage im Kranz der Wälder und seine gepflegte Art. Und die Menschen baten uns, sie teilhaben zu lassen an all dem, was die freigebige Natur uns gab. So fing es an und es wuchs aus kleinsten Anfängen vom Dorf zum Kurort. Man putzte die sauberen Dorfhäuser und schmückte die Fenster und Gärten mit Blumen. Keiner wollte nachstehen, jeder halt mit zum Ansehen des Kurortes. Die Straßen wurden ausgebaut und wohlgepflegt . Damit noch nicht genug: mitten im Kurort am Hanges des Eichhölzchens wurde das Strandbad geschaffen. Da tummeln sich die Menschen im fließenden Bergwasser der Wenne und sonnen sich und ruhen im Strandkorb. Im Strandkorb herrscht geordneter Badebetrieb. Sämtliche Badewäsche sowie Liegestühle etc. sind leihweise erhältlich.

So wurde Wenholthausen zu dem, was es heute ist: Die Insel aller Erholung, abseits vom Lärm der Zeit.